Als ich gerade in Indien war, musste ich zur Abklärung der Zufahrtstrasse des Grundstücks zu den weitentlegenen Nachbarn. Da gibt es ein Haus, dass eigentlich nur aus Außenmauern besteht und als Dach nur eine Folie hat. Kein WC, kein Strom, nichts. Eine Familie mit 3 Kindern lebt dort. Es ist in dieser Gegend die einzige Familie, die in so ärmlichen Verhältnissen lebt. Ich hatte keine Zeit meine 4-jährige Tochter darauf vorzubereiten. Sie spricht die Sprache dieser dort lebenden Kinder nicht, aber sie gab allen eine Umarmung. Sie hat kein Wort zu mir gesagt, hat sich nur leise umgesehen.

Zurück im Auto hat sie völlig unerwartet zu mir gesagt: „Mami, ich glaube wir müssen ihnen ein paar meiner Spielsachen bringen, weil sie haben keine. Und sollen wir in den Supermarkt gehen und für sie einkaufen, damit sie zu essen haben?“ Meine Tochter ist erst 4, aber ohne dass ich ihr irgendetwas beibringen musste, wusste sie was miteinander und füreinander bedeutet. Ich war so dankbar sie so zu erleben und habe für mich gefühlt, wie wichtig es ist, die scheinbaren zwei Seiten der Welt zusammenzubringen, damit beide Seiten heilen und zu einer Einheit werden.

Es ist doch erstaunlich zu sehen, dass wir Menschen von Grund auf mit Attributen wie Hilfsbereitschaft, Empathie und Mitgefühl ausgestattet sind. Ein Kind zeigt diese Eigenschaften noch ganz selbstverständlich – es gilt also diese zu erhalten.

Das Erleben der Welt in der Ferne macht uns erst bewusst, dass es uns tangiert, uns alle betrifft was mit den Menschen rund um die Erde passiert.

Erst dadurch bekommen wir die Möglichkeit zu begreifen, dass alles eins ist, dass wir die Themen, die uns im Leben begleiten, nicht isoliert betrachten können, sondern, dass alles, was wir tun und erleben uns als Menschen betrifft, dass alles zusammenhängt. Durch solche Erfahrungen und Erlebnisse kann die Menschheit und jeder Einzelne wachsen.

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